Loki

Alter: unbekannt
Haarfarbe: Dunkel
Augenfarbe: Braun
Sternzeichen: Schütze

Unsere Gabe als schlecht zu bezeichnen finde ich übertrieben. Es kommt immer darauf an, wie man seine Talente nutzt. Mit Disziplin und das Bewußtsein für seine Fähgkeiten kann man viel bewegen. Daher glaube ich an die White Taker. Alex ist eine sehr besondere junge Frau, die noch viel erreichen kann. Ich hoffe, ich kann ihr helfen ihren eigenen Weg zu finden.

***** Leseprobe aus dem Roman *****

Der nächste Tag begann mit getrübter Stimmung. Draußen nieselte es leicht und Nebel stieg empor. Die Halle musste mit künstlichem Licht erhellt werden, damit die Räumlichkeiten nicht zu dunkel waren wie das Wetter draußen. Beim Frühstück wurde kaum geredet. Jeder aß für sich. Ich war froh, zum Training gehen zu können. Doch dort war ich nicht in Bestform. Loki merkte meine fehlende Konzentration und nahm mich kurz zur Seite.

„Ich weiß, dass dich die Situation sehr belastet. Aber wir müssen weiter an deinen Fähigkeiten arbeiten. Michael möchte dich schon morgen mit in die Stadt nehmen.“

Ich war verwundert.

 „Morgen schon?“

„Ja. Wir werden in größeren Gruppen durch die Straßen gehen. Wir müssen alles über die Dark Taker herausfinden. Der Plan ist, einen von ihnen zu fangen und zu verhören. Das wird nicht leicht werden und deshalb brauchen wir jede Unterstützung.“

„Aber ich bin noch nicht so weit.“

„Doch, das bist du. Hab nur Vertrauen.“

Er schien über etwas nachzudenken, dann stellte er sich vor mich.

„Fass mich an und entziehe mir meine Lebenskraft.“

Erschrocken wich ich zurück.

„Das kann ich nicht. Du bist mein Freund.“

„Du musst üben. Du wirst mir nicht wehtun.“

Dann rief er nach Jan, der im gleichen Raum trainierte.

„Jan, du wirst aufpassen, dass Alex es nicht übertreibt.“

„Alles klar“, sagte Jan ganz locker.

Ich hingegen war angespannt. Ich hatte meine Gabe nicht mehr genutzt seit dem Tag, als ich aus dem Zimmer fliehen wollte.

„Na los, Alex. Du kannst es“, ermutigte mich Loki.

Mit zitternder Hand berührte ich ihn an der Schulter und konzentrierte mich, aber nichts passierte.

„Geh tief in dich hinein, deine Gabe braucht Angst oder Wut. Erinnere dich an damals, als wir André angegriffen haben. Erinnere dich an die Angst, den Schmerz.“

Ich versuchte es, und für einen Moment fing meine Hand wieder an zu kribbeln, doch es erlosch gleich wieder. Ich seufzte und ließ die Hand sinken.

„Ich kann es nicht.“

„Hab keine Angst vor deiner Gabe“, meinte Loki.

„Nein, ich kann es nicht.“

Ich wollte gerade gehen, als Loki mich von hinten angriff und mich gegen die Wand drückte.

„Erinnere dich an André. Wir wollten ihm mit der Eisenstange die Kniescheibe zertrümmern, wir wollten ihm wehtun.“

Bei diesen Worten überkam mich eine enorme Wut. Der Gedanke, wie André verletzt worden war, machte mich rasend. Sein Griff um meinen Hals wurde erbarmungsloser. Die Festigkeit von Lokis Griff, das Gefühl, nicht flüchten zu können, und die Erinnerung an André erfüllten mich mit Zorn. Ich ergriff seinen Arm, wollte mich wehren und spürte das bekannte Kribbeln in meiner Hand. Die Energie lief durch meinen Arm in Richtung Herz. Ich spürte Lokis Macht, eine enorme Energie, sie machte mich stark, unbezwingbar. Ich wollte mehr und gewann an Selbstvertrauen. Lokis Griff lockerte sich, bis er in die Knie sank. Ich drehte mich um und hielt meine Hand immer noch an seinen Körper. Meine Augen glühten vor Zorn, während er immer blasser wurde. Seine Adern traten im Gesicht hervor. In seinen Augen spiegelte sich Schmerz wieder, und doch hörte ich nicht auf. Die Macht war unbegreiflich faszinierend. Ich war stark und wollte mich rächen für das, was mit André gemacht worden war. Mein gesamter Charakter und mein Ich-Bewusstsein veränderten sich mit jedem Funken Energie, den ich diesem Menschen entzog.

„Alex, es reicht“, mahnte Jan plötzlich.

Aber ich ließ nicht los. Lokis Augen wurden glasig, doch er unternahm nichts.

„Alex“, schrie Jan.

„Du wirst ihn ernsthaft verletzen. Du  tust einem Freund weh.“

Diese Worte trafen mich und ich hörte schlagartig auf. Ich fühlte mich, als ob ich aus einer Art Trance erwachte. Die Stärke war weg, aber auch die dunklen Abgründe der Angst und Wut. Ich fühlte immer noch Lokis Energie, aber auch eine Leere, es war schwierig den Zustand zu begreifen, geschweige zu beschreiben. Loki atmete schwer auf dem Boden. Es dauerte eine Weile, bis er sich erholte und wieder aufstand.

„Gut gemacht, Alex. Umso wichtiger ist es, dein mentales Training fortzuführen, damit du weißt, wie du die Gabe herbeiführst und das Taken jederzeit unterbrechen kannst, bevor du in die Dunkelheit abdriftest.“

Er klopfte mir auf die Schulter.

„Für heute ist Schluss. Ich muss erst mal wieder zu Kräften kommen. Gut gemacht, ich bin stolz auf dich.“