Sam

Name: Sam
Alter: 26 Jahre
Haarfarbe: Rot-Blond
Augenfarbe: blau
Sternzeichen: Stier

Kieler Blut steckt in mir und am Meer fühle ich mich zu Hause. Surfen bei jeder Welle, lesen am Strand oder mit dem Skateboard an der Strandpromenade lang fahren. Dann ist die Welt in Ordnung. Mit Anfang zwanzig habe ich um die Hand meiner großen Liebe angehalten. Doch ich musste sie wegen den Dark Takern verlassen. War es das Wert? Zumindestens lebt sie nun sicher und glücklich.

***** Leseprobe aus dem Roman *****

 Ein weiteres Motorengeräusch ganz in meiner Nähe ließ mich seufzen. Es würde mich erreichen, da ich zu langsam war und es kam auch noch aus der Richtung, in der ich die Punks vermutete. Etwa 100 Meter von mir entfernt hielt das Fahrzeug an. Der Fahrer stieg ab. Als ich mich schon umdrehen wollte, um zu fliehen, warf er seinen Helm weg und rief meinen Namen. Eine bekannte Stimme ließ mein Herz höherschlagen. Ich starrte die Person nur an, blinzelte, fürchtete, der Schlag auf den Kopf könnte mir eine Halluzination verursachen. Der Mann rief wieder meinen Namen, hysterisch, winkte mir zu. Dann lief ich los. In seine Richtung. Tränen vor Freude rannen über meine Wangen.

Sam! Er war gekommen, um mich zu retten. Sein rotblondes Haar war zerzaust, er hatte schwarze, enge Lederklamotten an. Sein Gesichtsausdruck schwankte zwischen Angst und Hoffnung. Jeder Schritt verursachte Schmerzen in meinen Beinen, aber es war mir egal. Dann erreichte ich ihn und ließ mich in seine Arme fallen. Er hielt mich ganz fest, dass ich nicht umkippte. Meinen Kopf an seine Brust gedrückt versuchte ich, Luft zu bekommen. Er streichelte meine Haare und küsste mir die Stirn, dann nahm er meinen Kopf mit beiden Händen und sah mir in die Augen.

„Sam“, krächzte ich.

„Wir haben jetzt keine Zeit, später können wir reden. Steig auf!“

Mit einer Hand zog er mich zu seinem Motorrad und stellte es auf. Kaum hatte ich Platz genommen, da fuhr er schon los. Erde wurde aufgewirbelt. Ich krallte mich mit meinen Fingern in seine Seiten und schloss die Augen. Ob wir es schafften oder nicht, für einen Augenblick genoss ich nur die gewohnte Wärme eines Freundes. Unter Umständen vielleicht zum letzten Mal! Er fuhr rasant und geschickt durch die Bäume. Aber wir waren nicht mehr allein, von beiden Seiten kamen weitere Motorräder. Das Gebäude war nicht mehr weit entfernt. Die Augen ab und zu geöffnet, sah ich die Umgebung an mir vorbeirasen. Auf einmal kam das Motorrad ins Straucheln, irgendwas hatte uns am Hinterrad getroffen. Sam versuchte es auszugleichen, doch dann erfasste uns etwas an der Seite und mich an meinem verletzten Bein. Vor Schmerz und Schreck schrie ich auf. Es waren Gummigeschosse.

„Scheiße“, rief Sam nach vorne.

Eins verletzte ihn am Kopf, da er seinen Helm nicht mehr aufgesetzt hatte. Ich hatte Angst. Nicht nur um mich – um ihn. So froh ich war, dass er bei mir war, so befürchtete ich nun, dass er meinetwegen verletzt oder gar getötet werden könnte. Das weiße Gebäude blitzte zwischen den Bäumen hervor. Daneben befand sich ein kleiner Weg, der auf einen Platz führte. Vielleicht warteten die anderen White Taker dort auf uns; Sam war bestimmt nicht allein hier. Gummigeschosse hallten durch die Nacht und streiften mich am Arm. Doch ich spürte die Wunde kaum noch, eine unter vielen. Sams Lebensenergie war stark, und ich fühlte, wie mein Körper unruhig wurde. Als ich mich umdrehte, sah ich das zweite Motorrad langsam aufholen. Bei dem Versuch den Arm auszustrecken zitterte ich am ganzen Körper. Ich schloss die Augen, um die Lebenskraft des Verfolgers zu erfühlen. Mein Körper war erschöpft, doch die Aussicht auf das Taken ließ ihn erneut erwachen. Schließlich bekam ich sie und nahm sie hemmungslos. Durch einen enormen Zug füllte sich mein Körper mit Leben; der Mann kippte vom Motorrad. Ein leichtes Lächeln umspielte mein Gesicht. Doch im gleichen Moment kam ich mir schlecht vor. Jetzt spielte ich mit dem Leben anderer Menschen und war nicht besser als die Dark Taker, auch wenn ich auf der Flucht war. Hoffentlich waren die Menschen nur verletzt und nicht Tod. Sam keuchte. Sein rechte Hand wurde angeschossen. Das Motorrad schrammte haarscharf an einem Baum vorbei. Der andere Fahrer musste auch aufgehalten werden. Doch bevor ich diesen Gedanken weiter verfolgen konnte, traf uns ein Gummigeschoss vorne am Rad und ein lauter Knall hallte durch die Nacht, als der Reifen platzte und wir im hohen Bogen vom Motorrad befördert wurden. Wieder landete ich im Dreck, diesmal aber auf der Seite. Sam kam ein paar Meter von mir entfernt auf. Er drehte sich auf den Rücken und verzog vor Schmerz das Gesicht. Unsere Blicke trafen sich. Wir wussten, dass wir weiterrennen mussten. Also rappelten wir uns auf, liefen aufeinander zu und halfen uns gegenseitig beim Laufen, wobei er mich mehr stützte. Trotz der genommenen Lebenskraft tat mein Fuß höllisch weh.

„Nimm meine Kraft“, sagte er.

„Was? Niemals“, krächzte ich entrüstet.

„Nimm sie.“

„Nein.“

Uns blieb keine Zeit zum Diskutieren. Weitere Geschosse trafen uns. Sie waren ganz nahe, vielleicht fünf oder sechs Leute. Plus das eine Motorrad, das uns schließlich erreichte. Der Fahrer schmiss sein Rad hin und hielt auf uns zu. Eine vage Hoffnung überkam mich, dass es vielleicht auch ein White Taker sein könnte. Doch diese wurde sofort im Keim erstickt, als eine Pistole direkt auf uns zielte. Wir wurden langsamer und hielten schließlich an. Ich wollte meine Hand heben, meine Gabe einsetzen. Aber Sam schüttelte nur den Kopf. Es war vorbei. Es waren zu viele. Nun hatten sie nicht nur mich, sondern auch Sam. Der Schmerz und die Wut zerrissen mein Herz. Gefolgt von einer gigantischen Leere, die sich ausbreitete. Resignation. Das Ende. Die Männer kamen zu uns. Rissen uns auseinander. Sam bekam einen Schlag auf den Kopf und sank bewusstlos zusammen. Ich schrie seinen Namen, doch im gleichen Moment merkte ich einen Tritt, zunächst in der Magengrube. Sie waren nicht so gnädig mit mir wie mit Sam. Sie prügelten weiter auf mich ein. Schützend hielt ich meine Hände vors Gesicht, um die gröbsten Tritte abzuwehren. Dann kam der erlösende Schlag gegen den Kopf. Und es wurde alles schwarz. Wieder einmal. Vielleicht das letzte Mal.